Liebe, Annahme und Vergebung
Das ist das Leitmotto unserer Gemeinde. Was jedoch verbirgt sich in der Praxis hinter diesen drei Worten? Gibt es so etwas wie Liebe, Annahme und Vergebung überhaupt oder existiert das nur in Worten, die bestimmte Konzepte beschreiben, die aber praktisch gar nicht umsetzbar sind? Wir wissen zwar: In der Theorie ist praktisch alles möglich. Aber wie schaut das im wirklichen, im täglichen Leben aus? Womöglich kann ein Ausschnitt aus dem Film "The Mission" mit Robert de Niro eine Antwort auf diese Frage geben ...
Liebe, Annahme und Vergebung gilt es zunächst, selbst zu empfangen und zu erleben
Robert de Niro spielt in dem Film "The Mission" einen spanischen Söldner, Sklavenhändler und Brudermörder, der von
einem Jesuitenpriester herausgefordert wird, sich ihrer Mission anzuschließen, die darin besteht, die Indianer oberhalb
der Wasserfälle zu erreichen. Er tut das und packt sein altes Leben in Form eines schweren Bündels aus Rüstung und Degen
in ein Netz, das er sich umbindet. So schleppt er sich mühsam die Wasserfälle hinaus - immer sein altes Leben als
schwere Last um den Hals gehängt.
Schließlich kommt er oben bei den Indianern an, die er früher gefangen genommen
und verschleppt hat. Sie erkennen ihn sofort und einer, der Indianer zückt sein Messer und setzt es ihm an den Hals.
Er redet mit aufgebrachter Stimme unverständliche Wort in der Sprache der Indianer zu den anderen und zum
Häuptling. Schließlich nimmt er das Seil, mit dem Robert de Niro sein altes Leben an sich gebunden hatte und
zerschneidet es. Er nimmt das Bündel mit Rüstung und Degen und wirft es die Klippe hinunter. Robert de Niro bricht
erleichtert in Tränen aus und begreift die Vergebung, die ihm soeben zuteil geworden ist. Einer der bewegendsten
Momente der Filmgeschichte!
Gott möchte, dass jeder Mensch das erlebt, nämlich dass sein ganzes altes Leben durch Jesus vergeben worden ist und
ihm die Last und Bürde von den Schultern genommen ist. Wer das noch nicht erlebt hat, der sollte nicht länger zögern
und warten, denn Jesus hat alles bereitet. Komm und glaube und erlebe, dass es so etwas wie Vergebung wirklich gibt!
Welche Bedingungen gibt es?
Keine. Nirgendwo in den Evangelien lesen wir, dass jemand zu Jesus gekommen sei, um ihn um Vergebung zu bitten.
Solange wartet Jesus erst gar nicht damit, uns unsere Sünden zu vergeben. Er kommt uns zuvor, ergreift die Initiative
und sagt: "Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben" (Mat. 9, 2) oder zu einer Frau sagt er: "Dir sind deine
Sünden vergeben." (Luk. 7, 48)
So ist Jesus! Er bittet: "Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!" (Luk. 23, 34)
Was ist Vergebung eigentlich?
Vergebung ist die Aufgabe meines Verlangens, den andern zu bestrafen oder zu sehen,
dass er bestraft wird. Jesus ging sogar noch einen Schritt weiter:
Er nahm die Strafe, die uns treffen sollte, auf sich.
"Unsere Schmerzen lud er auf sich; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und geplagt; aber er wurde
durchbohrt um unserer Übertretung willen, zerschlagen wegen unserer Missetat; die Strafe, uns zum Frieden, lag auf
ihm" (Jes. 53, 4+5)
Durch die Tatsache, dass es Vergebung gibt und Gott sie selbst durch seinen Sohn Jesus demonstriert hat, liegt es nun
in meinen Händen, was mit einer Person geschehen soll, die mich verletzt, enttäuscht, beleidigt oder dergleich hat. Es
liegt nunmehr an mir, ob ich diesen Menschen bestraft sehen will oder ob ich ihn freigebe - und an den Herrn "vergebe".
(griech.: aphiemi = vergeben, wie einen Auftrag, den ich an jemanden vergebe,
dass er ihn für mich ausführt)
Die Wahl lautet meist: Vergib' die Schuld oder vergiss die Beziehung!
Unglücklicherweise ist das, was der andere uns angetan hat, fortan für uns das hervorstechendste Merkmal des anderen
und das, was der andere fortan für uns ist.
Je schlimmer der zugefügte Schmerz, desto länger sind die Schatten der Untat dieser Person und desto mehr nimmt die
Erinnerung an das erlittene Unrecht zunehmend unser Denken ein. Daher muss man schnell sein zu vergeben.
"Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen; gebt dem Teufel keinen Raum ... und
vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." (Eph. 4, 26, 27 + 32)
Bekannt für Vergebung
Als Christen sollten wir im Umgang mit anderen Menschen dafür bekannt sein, dass wir
vergeben wie Jesus.
"Gott hat uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben ... So sind wir nun
Botschafter an Christi Statt und ... bitten nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!" (2. Kor. 5, 18+20)
Das, wie wir zu Menschen sind, gibt ihnen einen ersten Begriff davon, wie Gott über sie fühlt und sich für sie anfühlt.
Wir sind als Gemeinde (Leib Christi) die Fortführung von Gottes Portrait (Jesus) in einer verlorenen Welt - und Gott
verlässt sich auf uns!
Daher ist eine "innere Kultur" der Vergebung und ein dementsprechender äußerer Lebensstil so wichtig.
Beispiel Corrie ten Boom
Diese Frau ist eine holländische Juden-Christin, die zusammen mit ihrer Schwester Betsie in ein deutsches Konzentrationslager
gesperrt wurde. Dort gab es eine andere Frau, eine Deutsche, eine Pflegerin, in deren Obhut sie beide kamen und die
Betsie so grausam behandelte, dass sie dort im KZ gestorben war. Corrie musst das alles hilflos und wehrlos mit ansehen.
Zehn Jahre später traf sie genau diese Frau wieder. Und sofort stieg bitterlicher Hass in ihr hoch. Sie hatte gedacht,
dass sie diese schlimme Zeit überwunden hatte, aber nun wusste sie es besser. Sie ging nach Hause und fiel auf ihre Knie
und betete: "Lieber Herr Jesus, ich bekenne dir den Hass in meinem Herzen. Ich dachte, ich wäre darüber hinweg, aber
das bin ich nicht. Bitte reinige mich von der Bitterkeit in mir und hilf zu lieben, selbst meine Feinde zu lieben."
Das betete sie inständig für diese Frau, die ihre Schwester auf dem Gewissen hatte. Schließlich fasste sie sich ein Herz
und lud diese Frau zu einem Treffen ein. Corrie ten Boom schließt ihren Bericht: "Den ganzen Abend hörte sie mir
aufmerksam zu und schaute mir immer geradewegs in die Augen. Ich wusste, dass sie mit dem Herzen zuhörte ... Zum
Schluss durfte ich ihr sogar den Weg zum Heil in Christus zeigen und sie traf eine Entscheidung, die im Himmel Freude
auslöste."
Nichts kann einen Christen und eine Christengemeinde zerstören, außer die eigene Unwilligkeit zu vergeben. Deshalb
sollen wir zu Herzen nehmen, was Paulus an die Christengemeinde in Ephesus geschrieben hat: "Seid aber untereinander
freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat
in Christus. So (auf diese Weise) folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch
Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben." (Eph 4, 32 und 5, 1)
Menschen brauchen Annahme
Annahme bedeutet, Menschen frei zu lassen aus der Notwendigkeit, sich qualifizieren
zu müssen, damit sie geliebt werden. Niemand muss gut sein, um von Gott geliebt zuwerden. Es genügt, einfach da
zu sein. Und Gott liebt Dich nicht nur, der mag Dich auch!
Wenn Menschen das so empfinden, dann kommen sie, können sich entspannen und bleiben auch. Menschen, die sich hingegen
nicht angenommen fühlen oder es nicht glauben können, dass sie angenommen sind, geraten in einen Teufelskreis der
Verzweiflung: Sie können nicht damit aufhören, andere zu beeindrucken und zu überzeugen, dass sie was können, dass sie
Wert haben.
Heidnische Religionen
Da ist meist ein von Haus aus zorniger oder zumindest leicht zu erzürnender Gott. Bei so einem Gott kann sich ein
Mensch nicht angenommen fühlen - wäre es aber gern. Also tut er Dinge, um sich bei Gott angenehm zu machen, um Gott
zu besänftigen und gnädig zu stimmen, damit der gut zu ihm ist.
Unser Gott ist da ganz anders. Mose und die Propheten im Alten Testament wie auch Jesus und die Apostel im Neuen
Testament haben immer klar gemacht, dass ihr Gott nicht wie die heidnischen Götter ist. Das ist sein Name, das ist sein
Charakter: "Der HERR, der HERR ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Gnade und Treue."
(2. Mo. 34, 6)
Je mehr ein Mensch tut, um geliebt zu werden, desto weniger hat er von Gottes Annahme und Liebe verstanden. Oder er
kann und will es einfach nicht glauben. So ein Mensch fühlt sich zeitlebens irgendwie minderwertig, nicht zugehörig oder
gar ausgestoßen. Das muss nicht so sein und bleiben. Annahme und Sicherheit findet man, wenn man sich für die Liebe
Gottes öffnet. Und das geht am ehesten dort, wo man sie glaubhaft erleben kann. So ein Ort soll die Gemeinde sein.
Dein Wert steht fest
Gott hat den Wert eines Menschen fest gezimmert, als er seinen einzigen
Sohn für uns ans Kreuz nageln ließ. "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass
jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe." (Joh. 3, 16)
Seither kann man auf dieser Erde keinem Menschen mehr begegnen, für den Jesus nicht gestorben ist. Und das macht
den unveränderlichen Wert eines Menschen aus. Nichts kann diesen Wert mehr mindern oder erhöhen. Es ist also nicht
das Wertvolle, das wir tun, was unsern Wert bestimmt, sondern es ist das Wertvolle, das Gott getan hat, als er seinen
Sohn für uns als Lösegeld gab.
Gott hat eine hohe Meinung von Menschen
Die hohe Meinung, die Gott von Menschen hat, steht fest: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und der
Menschensohn, dass du ihn beachtest?! Und doch hast du ihn nur wenig niedriger als die Gottheit gemacht, mit
Herrlichkeit und Hoheit ihn gekrönt; du hast ihm die Herrschaft verliehn über deiner Hände Werke, ja alles ihm unter
die Füße gelegt." (Ps. 8, 4-6)
Also merke Dir:
Du bist nicht die Summe deiner und anderer Meinungen über Dich, sondern Du bist die
Summe der Meinung Gottes über Dich - und die ist sehr hoch!