Der seinen Bruder liebte
Eine Geschichte aus alten Tagen erzählt nach der Überlieferung von Johannes
Es war einmal ...
... Alexander der Große. Der hatte einen Feldherrn, der hieß Lysimachos. Der kämpfte zusammen mit Philetairos. Der erklärte seine Unabhängigkeit und gründete sein eigenes, anfangs noch sehr kleines Reich mit Pergamon als Hauptstadt.
Philetairos hatte einen Neffen. Den adoptierte er zu seinem Sohn. Der hieß Eumenes. Der kämpfte gegen Antiochos, einen General Alexanders des Großen und konnte dadurch das pergamenische Gebiet vergrößern.
Eumenes hatte einen Neffen 2. Grades - väterlicherseits. Den adoptierte er zu seinem Sohn. Der hieß Attalos.
Der besiegte die Galater, eine Gruppe keltischer Stämme, die um 280 v. Chr. aus Thrakien nach Kleinasien
eingewandert waren und dort die umliegenden Gebiete plünderten oder Tribut einforderten. Als Folge dieses Sieges nahm Attalos den Königstitel an und erhielt den Ehrennahmen "Soter" (= Retter).
Attalos spielte als römischer Verbündeter eine bedeutende Rolle im Ersten und Zweiten Krieg gegen Makedonien. Als General leitete er zahlreiche militärische Unternehmungen zur See. Er starb 197 v. Chr. im Alter von 72 Jahren.
Attalos II. Philadelphos
Attalos hatte vier Söhne, von denen die beiden ältesten als Eumenes II. und Attalos II. nacheinander Könige von Pergamon wurden. Attalos II. wurde wegen seiner Bruderliebe zu Eumenes II. auch Philadelphos genannt. Was muss das für eine Liebe gewesensein!
Dieser erbaute eine Stadt an der Verbindungsstraße zwischen Sardes und Kolossai und nannte sie wegen seiner Bruderliebe Philadelphia. Zwar wurde die Stadt mehrmals von Erdbeben zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Sie war die letzte byzantinische Stadt in Kleinasien, die sich lange Zeit erfolgreich gegen die Türken verteidigen konnte. Erst nach acht Jahren Kampf gegen die Übermacht der Osmanen, fiel sie 1390 in deren Gewalt. Die benannten die Stadt um in Alashehir, d.h. Stadt Gottes.
Philadelphia existiert heute noch als Alashehir und ist eine Stadt mit ca. 18.000 Einwohnern. Es gibt dort fünf christliche Kirchen mit ca. 3000 Christen.
Demetrius
Wer das Evangelium nach Philadelphia brachte, ist nicht bekannt. Aber man weiß, dass der Apostel Johannes im 1. Jahrhundert Demetrius zum Bischof der Gemeinde ordinierte. Von ihm schreibt er in seinem dritten Brief: "Von Demetrius hört man überall nur Gutes, und das entspricht voll und ganz der Wahrheit. Auch wir können dies bestätigen. Und wie du weißt, ist unsere Empfehlung gut und richtig." (3. Joh. 12)
Philadelphia in der Geschichte
Im 2. Jahrhundert schrieb Ignatius eine Brief an die Gemeinde in Philadelphia, etwas zu der Zeit, als zwölf Philadelphianer zusammen mit Polykarp von Smyrna hingerichtet wurden.
Im 4. Jahrhundert nahm ein Bischof von Philadelphia am ersten Konzil von Nicäa teil.
Im 5. Jahrhundert war ein Ältester von Philadelphia in der Synode zu Ephesus unter Papst Coelestine.
Im 6. Jahrundert assistierte ein Bishof von Philadelphia bei der 5. Synode in Konstantinopel.
Und im achten Jahrhundert nahm Stephan, der Bischof der Gemeinde von Philadelphia an der Nicäanischen Synode teil.
Jesus über Philadelphia
"Schreib an den Engel der Gemeinde in Philadelphia: Das sagt dir der eine, der heilig und wahrhaftig ist. Er allein hat als Nachkomme Davids den Schlüssel zum Heil. Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen; wo er aber zuschließt, kann niemand mehr öffnen.Ich weiß, was du getan und geleistet hast. Sieh, ich habe dir eine Tür geöffnet, die niemand verschließen kann. Deine Kraft ist klein; doch du hast an dem, was ich gesagt habe, festgehalten und dich unerschrocken zu mir bekannt. Achte jetzt auf alles, was geschehen wird: Es werden Leute zu dir kommen, die sich als fromme Juden ausgeben. Aber sie lügen; in Wirklichkeit sind sie Anhänger des Satans. Diese Männer werde ich dazu bewegen, dass sie vor dir auf die Knie fallen; denn sie sollen erkennen, dass ich dich liebe. Du hast meine Aufforderung befolgt, geduldig auszuhalten. Deshalb will ich dich auch in der schweren Prüfung bewahren, die über die ganze Erde kommen wird, um alle Menschen auf die Probe zu stellen.
Ich komme schnell und unerwartet. Darum halte fest, was du hast, damit dir niemand deinen Siegespreis nehmen kann. Denn wer durchhält und den Sieg erringt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen; er wird dort immer bleiben. Und er soll den Namen meines Gottes tragen und wird ein Bürger des neuen Jerusalem sein, der Stadt, die Gott vom Himmel herabkommen lässt. Auch meinen eigenen neuen Namen wird er erhalten. Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden sagt." (Off. 3, 7-13)
Der Engel der Gemeinde
Ein Engel ist ein Agent Gottes mit einem Auftrag für die Menschen. So heißt es z.B. in Mal. 2, 7: "Des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde Weisung suche; denn er ist ein Bote des HERRN Zebaoth." In der griech. Übersetzung des alten Testamentes steht für Bote das griech. Wort aggalos, welches Engel heißt.
Entsprechend könnte der Engel der Gemeinde der Bischof, Pastor oder Prediger der Gemeinde sein.
Aber das griech. Wort aggelos für Engel kommt in der Offenbarung
67 mal vor und bedeutet - mal abgesehen von Kap. 2+3 - ausnahmslos Engel.
Und in Off. 1, 20 heißt es: "Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden."
Sterne sind ein durchgängiges Symbol für Engel in der Bibel.
Engel der Völker und Reiche:
Nach Dan. 10, 13-21 haben Völker und Reiche jeweils einen Engelsfürsten. Da gibt es z.B. den "Engelfürsten des Königreichs Persien", dann ist da der "der Engelfürst von Griechenland" und schließlich ist da noch "Michael, der Engelfürst Israels".
Von Daniel wissen wir, dass die Engelfürsten in der unsichtbaren Welt mit- und gegeneinander kämpfen.
Engel in der Gemeinde zu Jerusalem:
In Apg. 5, 19 gibt es einen "Engel des Herrn", der "tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus."
Und auch in Apg. 12, 7-10 gibt es einen "Engel des Herrn", der "kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir! Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel."
War das womöglich der Engel der Gemeinde in Jerusalem? Ich meine ja.
Engel der Gemeinde in Cäsarea:
In Apg. 10, 1-3 wird berichtet: "Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die die Italische genannt wurde. Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus
und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott. Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius!" Etwas später passiert das (Apg. 10, 13-15): "Und es geschah eine Stimme (wessen Stimme ist das? Etwa die des Engels Gottes?) zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen. Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten."
Zuvor hatte sich schon Philippus, der Evangelist, in Cäsarea niedergelassen und eine Gemeinde gegründet. (Apg. 8, 40 und 21, 8)
Ist hier der Engel der Gemeinde von Cäsarea am Werk? Ich meine ja.
Eine Schwierigkeit gibt es aber: Kann man den Engel der Gemeinde für die Sünden und Verfehlungen in der Gemeinde verantwortlich machen? Der griechische Kirchenschriftsteller Origenes meinte, dass die Engel der Gemeinde die gleiche Funktion und Verantwortung wie Erzieher hätten: Wenn ein Kind auf Abwege gerate,
falle dies auf seine Erzieher zurück.
Psalm 82
"Gott steht in der Gottesgemeinde und ist Richter unter den Göttern. Wie lange wollt ihr unrecht richten und die Gottlosen vorziehen? - SELA - Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht. Errettet den Geringen und Armen und erlöst ihn aus der Gewalt der Gottlosen. Sie lassen sich nichts sagen und sehen nichts ein, sie tappen dahin im Finstern. Darum wanken alle Grundfesten der Erde. Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götterund allzumal Söhne des Höchsten; aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen. Gott, mache dich auf und richte die Erde; denn du bist Erbherr über alle Heiden!"Die Götter:
"Gott steht in der Gottesgemeinde und ist Richter unter den Göttern." Da steht: Der eine elohiym (= Mehrzahlform von Gott) steht in der Versammlung der el (= Abkürzung von Eloah, Einzahlform von Gott) und richtet unter den vielen elohiym (= Mehrzahl von Gott).
Wer ist wer?
Der eine elohiym ist der dreieinige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die vielen elohiym sind meines Erachtens die Engelsfürsten über Völker, Reiche, Gemeinden etc.
Aber sind das nicht Menschen?
"Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten; aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen." Warum heißt es da wie Menschen, wenn es sich doch um Menschen handelt?
Sagte Jesus das nicht auch im Bezug auf Menschen?
"Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz (Psalm 82,6): Ich habe gesagt: Ihr seid Götter. Wenn er die Götter nennt, zu denen das Wort Gottes geschah - und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden -, wie sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott, weil ich sage: Ich bin Gottes Sohn?" (Joh. 10, 34-36)
Wer sind die, zu denen das Wort Gottes geschah?
Bestimmt sind das Menschen, aber nicht auch Engel? Oder Redet Gott zu Engeln etwa nicht?
Das Sendschreiben an Philadelphia
"Das sagt dir der eine, der heilig und wahrhaftig ist. Er allein hat als Nachkomme Davids den Schlüssel zum Heil.
Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen; wo er aber zuschließt, kann niemand mehr öffnen."Der persönliche Charakter Jesu:
Heilig stammt von heil ab wie das engl. holy von whole.
Wahrhaftig bezieht sich auf den Wahrheitsgehalt der eigenen Aussagen.
Der öffentliche Charakter Jesu:
Ein Nachkomme Davids: der Sohn Davids, der sich erbarmt
Mit Schlüsselgewalt: Das bezieht sich im Zusammenhang mit der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer auf eine Verheißung für Eljakim, den Sohn Hilkijas, in der es heißt: "Ich werde den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen; und er wird öffnen, und niemand wird schließen, und er wird schließen, und niemand wird öffnen." (Jes. 22, 22)
Damals hat Eljakim bei dem Propheten Jesaja für die Rettung Jerusalems vor der Übermacht der Assyrer interveniert.
Der Inhalt des Schreibens:
"Ich weiß, was du getan und geleistet hast. Sieh, ich habe dir eine Tür geöffnet, die niemand verschließen kann."
Unser Herr ist in Wahrheit der Urheber unserer Freiheit und Möglichkeiten. Aber es gibt böse Menschen, die der Gemeinde ihre Freiheit missgönnen und sie am liebsten wieder wegschließen würden.
Eine kleine Kraft:
"Deine Kraft ist klein ..."
- ... aber mit der Gnade Gottes darin
- ... und mit göttlicher Approbation (= die Berechtigung zur Ausübung)
- ... eine Kraft des Glaubens, die noch wachsen kann
- ... die aber vor allem mit Ausdauer und Geduld bestückt ist, denn "ein Geduldiger ist besser als ein Starker". (Spr. 16, 32)
- ... aber eine, die Verheißungen des Wortes Gottes festhält, denn es heißt: "Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt." (Heb. 10, 35)
- ... aber mit einem klaren und unerschrockenen Bekenntnis zu Jesus Christus
Achtung! Achtung!
"Achte jetzt auf alles, was geschehen wird: Es werden Leute zu dir kommen, die sich als fromme Juden ausgeben. Aber sie lügen; in Wirklichkeit sind sie Anhänger des Satans."
"Fromme Juden" sind solche, die auf die Einhaltung der Gebote und des Gesetzes pochen - meist bei andern statt bei sich selbst.
"Anhänger des Satans" sind sie, weil sie genauso wie er als "Verkläger der Brüder" auftreten und diese verurteilt und bestraft sehen wollen.
"Sie sollen erkennen, dass ich dich liebe", die Philadelphia-Gemeinde, die Gemeinde der Bruderliebe.
"Halte fest, was Du hast"
"Wer durchhält und den Sieg erringt", das ist der, der alles, was gegen die Liebe ist, überwindet:
- die Liebe neidet nicht
- die Liebe tut nicht groß
- die Liebe bläht sich nicht auf
- die Liebe gebärdet sich nicht unanständig
- die Liebe sucht nicht das Ihrige
- die Liebe lässt sich nicht erbittern
- die Liebe rechnet Böses nicht zu
- die Liebe freut sich nicht an der Ungerechtigkeit
Der Lohn:
"Eine Säule im Tempel", das meint nicht eine tragende Säule (denn der Himmel braucht keine Unterstützung von Menschen), sondern ein Monument der Bruderliebe wie Gott sie in seiner Familie sehen will.
"Den Namen Gottes tragen" zu dürfen, weil sie auch das Wesen Gottes tragen, nämlich das Wesen der Liebe "zu den Brüdern" (1. Joh. 4, 20+21) und "zu allen Menschen" (2. Pet. 1, 7).
"Ein Bürger der Stadt Gottes im Himmel" und als solcher den Gerichten entgehen über die, "die auf der Erde wohnen" (siehe auch Off. 6, 10 und 8, 13 und 11, 10 und 13, 8+14 und 17, 2+8)