Freundschaften für's Leben
(nach einem Artikel von Familientherapeutin Cornelia Oomen, gefunden unter http://www.bkkgesundheit.de/ratgeber/gesundheit/psychologie/inhalt.lasso?a=lebensfreude04_07
Freunde zu haben, bedeutet reich zu sein
Das sagt ein spanisches Sprichwort.
Gute Freunde bereichern unser Leben. Sie sind eine wichtige Quelle des Glücks und tragen zu einem erfüllten Leben bei.
Warum sind Freundschaften so wichtig?
Gerade in der Anonymität unserer Zeit brauchen wir Orte der Heimat, Orte, an denen
wir uns angenommen, sicher, wohl und geborgen fühlen. "Freundschaft: Das ist Heimat", schrieb Kurt Tucholsky.
Eine Heimat zu haben - bei Menschen in vertrauter Umgebung - ist eine wesentliche Voraussetzung, um in dieser oft
hektischen Zeit eine Oase der Ruhe zu finden. Wenn wir ein Stück Heimat haben,
fühlen wir uns stärker, um den vielfältigen Anforderungen des Alltags gerecht zu werden.
Immer wieder erlebe ich, dass Menschen, die Freunde haben, an Problemen,
Schicksalsschlägen und Krisen wesentlich weniger leiden und diese auch besser überwinden können.
Freunde können auch eine Art Ersatzfamilie sein, wenn die eigentliche
Verwandtschaft einen nicht verstehen oder wohlwollend begleiten kann bzw. die Familie nicht mehr da ist.
Freunde geben uns also:
- Geborgenheit
- Halt und Sicherheit
- Unterstützung
- Lebensmut und
- Lebensfreude
Was kennzeichnet eine gute Freundschaft?
Wohlwollen
In einer guten Freundschaft begegnet man dem anderen mit
Wohlwollen sowie mit Wertschätzung und behandelt ihn auch so. Das bedeutet:
Man wünscht dem Freund / der Freundin nur das Beste und setzt sich auch dafür ein, dass dieser / diese das Beste
erreichen kann. Vom Freund / von der Freundin erwartet man dieses Verhalten ebenso. Auch achtet jeder den anderen
und nimmt ihn so an, wie er ist - mit all seinen Stärken und Schwächen. Um sich mit anderen Menschen befreunden zu
können, muss man sich selbst ein guter Freund / eine gute Freundin sein; d.h.: sich selbst mit Wohlwollen betrachten.
Toleranz
Bei einem Freund / einer Freundin sieht man die Andersartigkeit und auch die Schattenseiten - aber mit einem
wohlwollenden, freundlichen Auge. Man versucht, die unangenehmen Wesenszüge oder Verhaltensweisen zu akzeptieren
bzw. zu verzeihen.
Achtsamkeit
Besonders wichtig in Freundschaftsbeziehungen ist der aufmerksame Umgang
miteinander. Das bedeutet, dass man sich füreinander wirklich interessiert und sich z. B. auch Kleinigkeiten merkt,
wie Geburtsdatum, besondere Vorlieben usw. . Gefühle müssen wahrgenommen werden und man muss sich in den Freund /
die Freundin hineinversetzen können. Erst dann kann man Verständnis für die Situation
des anderen haben.
Vertrauen
In einer guten Freundschaft bringt man dem anderen ein hohes Maß an Vertrauen
entgegen und erweist sich selbst als vertrauenswürdig. Das gegenseitige Vertrauen wird im Laufe einer Beziehung
wachsen.
Offenheit
Ganz wichtig für eine Freundschaft ist das Gespräch. Hier lernt man einander besser kennen und verstehen. Dazu muss
man sich dem Freund / der Freundin gegenüber öffnen; das heißt, die eigenen Gedanken
und Gefühle preisgeben.
Ehrlichkeit
Ein guter Freund ist ehrlich zu mir und sagt mir offen seine Meinung. In einer Freundschaft darf es verschiedene
Meinungen sowie Auseinandersetzungen und Konflikte geben, ohne Angst haben zu
müssen, den Freund zu verlieren. Einem Freund ehrlich zu begegnen, heißt auch, ihn wohlwollend zu kritisieren.
Verlässlichkeit
Auf einen guten Freund kann ich mich immer verlassen - in guten und in schlechten Zeiten.
Gerade in Krisen und Notsituationen erkennt man den wahren Freund, der einem
auch dann treu zur Seite steht.
Gegenseitigkeit
In einer Freundschaft muss das Geben und Nehmen auf Dauer in etwa
ausgeglichen sein. Eine Freundschaft, in der einer immer nur gibt und der andere nur nimmt, ist keine gute Freundschaft.
Freude
Das Grundgefühl in einer Freundschaft ist die Freude. Man kann sich mit dem
Freund / der Freundin über sein / ihr Glück und seinen / ihren Erfolg mitfreuen, ohne Neid oder Missgunst zu empfinden.
Menschen, die besonders neidisch sind, auch bei Freunden, können nicht wirklich gute Freunde / Freundinnen sein.
Freundschaften zerbrechen, wenn eine Person unter einem mangelnden Selbstwertgefühl leidet und deshalb nicht
ertragen kann, dass es dem Freund / der Freundin gut geht.
Zeit
Eine Freundschaft braucht immer wieder Zeit! Zeit für Gespräche, gemeinsame
Unternehmungen oder um gemeinsame Erinnerungen aufzufrischen.
Was können Sie für eine Freundschaft tun?
"Die Menschen kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die
Leute keine Freunde mehr." (A. de Saint-Exupery)
Freunde kann man nicht kaufen, man muss sie gewinnen und die Freundschaft
pflegen. Das einfache Rezept dazu lautet: Willst du einen Freund haben, musst du selbst
einer sein!
Bringen Sie den Mut auf, in nächster Zeit auf jemanden zuzugehen, den Sie schon
seit einiger Zeit anziehend und sympathisch finden. Nehmen Sie sich Zeit, einen
(alten) Freund / eine (alte) Freundin zu überraschen:
- mit einem Anruf
- mit einem Brief / einer Postkarte
- mit einem kleinen Geschenk
- mit einem Besuch
- mit einer Einladung
- oder mit einem Vorschlag für eine gemeinsame Unternehmung
Wollten Sie möglicherweise mit einem Freund / einer Freundin etwas klären, das schon lange zwischen ihnen steht und Sie oder die Beziehung belastet?
Sicherlich haben auch Sie Ideen, wie man eine Freundschaft pflegen kann. Alles, was es braucht, ist ein wenig Zeit und Phantasie.