Das Gericht Gottes

Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht (Heb. 9, 27). Dass man als Mensch sterben muss, das weiß jeder. Dass man danach aber in das gerechte Gericht Gottes kommt, das weiß nicht jeder. Und kaum einer weiß, was ihn dort dann erwartet. Also versuchen wir mal, ein wenig Licht in diese Thematik zu bringen.

 Juicio Final von Van Eyck Erstens: "Der Vater richtet niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben." (Joh. 5, 22)

Damit hat der Vater-Gott dafür gesorgt, dass Ungerechtigkeiten nicht ungesühnt bleiben (Sühne kommt von dem althochdeutschen Wort suona und bedeutet Gericht bzw. Urteil) und er selbst muss nicht als Richter auftreten und handeln. Womöglich käme er in Konflikt mit seinem Vater-Herzen und das möchte er vermeiden. (Siehe Hos. 11, 8+9)

Zweitens: "Er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren; und er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit, und den Demütigen des Landes Recht sprechen in Geradheit." (Jes. 11, 3+4)

Die Rede ist hier von dem kommenden Messias, der sich in Jesus Christus von Nazareth offenbart hat. Der braucht keine Tatortbegehung und Spurensuche, der braucht kein CSI, der braucht keine Zeugenaussagen und keine Indizien. Alles, was er braucht, hat er: Die Fähigkeit, das Herz des Menschen zu sehen.

Zu Samuel sagt Gott: "Der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber der HERR sieht auf das Herz." (1. Sam. 16, 7)

Und Salomo betet: "Vergib und tue und gib einem jeden nach allen seinen Wegen, wie du sein Herz kennst, denn du, du allein kennst das Herz aller Menschenkinder." (1. Kö. 8, 39)

Petrus weiß es auch, dass Gott der "Herzenskenner" ist (Apg. 15, 8) und Paulus sieht es genauso: Gott wird "die Ratschläge der Herzen offenbaren" (1. Kor. 4, 5) und danach richten.

Drittens: Der Richter war schon mal da, um eine Rettung für die Menschen zu schaffen, damit sie nicht in das Gericht müssen.

"Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde.

Der Prophet Jesaja beschreibt, wie der Messias - Jesus Christus - diese Rettung zustande brachte: "Fürwahr, er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg; und der HERR hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit. - Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. - Er ist hinweggenommen worden aus der Angst und aus dem Gericht. Und wer wird sein Geschlecht aussprechen? Denn er wurde abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen: wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man hat sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt; aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tode, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Munde gewesen ist. Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen, er wird seine Tage verlängern; und das Wohlgefallen des HERRN wird in seiner Hand gedeihen. Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, und ihre Missetaten wird er auf sich laden. Darum werde ich ihm die Großen zuteil geben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist; er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan."

Der Richter selbst hat das gerechte Urteil über die Ungerechtigkeit auf sich genommen.

Viertens: Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes." (Joh. 3, 17+18)

Fünftens: Wer sich retten lässt - was ausschließlich durch Glauben geschehen kann! - kommt in kein Gericht mehr. "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen." (Joh. 5, 24)

Wie das geht und vor allem wie schnell das geht, beschreibt uns der folgende Vers: "Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet." (1. Mo. 15, 6 und Röm. 4, 3)

Abraham war gerade dabei, sein Herz vor Gott auszuschütten: "Ich gehe kinderlos dahin und der Erbe meines Hauses wird Elieser von Damaskus sein. Denn Du hast mir ja keinen Samen gegeben." Darauf antwortete Gott mit einem klaren Wort in seine Gedanken hinein: "Nicht dieser wird dich beerben, sondern der aus deinem Leibe hervorgehen wird, der wird dich beerben." Dann führte Gott den Abraham hinaus unters Sternenzelt und sprach: "Blicke doch gen Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Denn so wird dein Same sein!"

Und was passiert jetzt? Abraham glaubte Gott. Punkt. Das war's. Mehr nicht!

Und was macht Gott? Er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit. Warum? Weil Gott das Herz ansieht und sofort erkennt, wie echt und ganz der Glaube Abrahams ist.

Abraham opfert Isaak Die Engel jedoch können das nicht. Die brauchen immer einen Beweis. Also unterzog Gott den Abraham einer Prüfung zur Demonstration seines Glaubens: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und opfere ihn als Brandopfer." Was mag Abraham sich dabei wohl gedacht haben? Wahrscheinlich sind ihm alle Worte Gottes eingefallen, die er je über Isaak gesagt hatte: (1. Mo. 17, 19) "Fürwahr, Sara, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Isaak geben; und ich werde meinen Bund mit ihm errichten zu einem ewigen Bunde für seinen Samen nach ihm." Und dann war da auch noch die Sache mit der Vertreibung Ismael und seiner Mutter. Was hatte Gott da gesagt: "Lass es nicht übel sein in deinen Augen wegen des Knaben und wegen deiner Magd; denn in Isaak soll dir ein Same genannt werden." (1. Mo. 21, 12) Was auch immer Gott verlangt, so wird sich Abraham gedacht haben, Isaak kann nicht tot bleiben, selbst wenn ich ihn töten muss. So sagt es auch der Schreiber des Hebräerbriefes: "Durch Glauben hat Abraham, als er versucht wurde, den Isaak geopfert, und der, welcher die Verheißungen empfangen hatte, brachte den Eingeborenen dar, über welchen gesagt worden war: In Isaak soll dein Same genannt werden; indem er urteilte, dass Gott auch aus den Toten zu erwecken vermöge." (Heb. 11, 17-19)

Gott sah das in dem einen Augenblick - als er ihm in sein Herz schaute -, was dieser Abraham für einen Glauben hatte. Und jetzt bekommen die Engel das auch zu sehen: "Und sie kamen an den Ort, von dem Gott ihm gesagt hatte; und Abraham baute daselbst den Altar und schichtete das Holz; und er band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sprach: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben, und tue ihm gar nichts! Denn nun weiß ich (der Engel des HERRN - Gott hat es schon immer gewusst!), dass du Gott fürchtest und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten hast." (1. Mo. 22, 9-12)

Fazit: Was also der Richter sucht, ist Glaube. Findet er den im Herzen eines Menschen, dann rechnet er ihm seine eigene Gerechtigkeit zu. Es kommt zu einem Tausch. (Siehe 2. Kor. 5, 21) Damit ist dieser Mensch vor Gott gerechtfertigt und kommt nicht mehr in das Gericht. So einfach ist das.

Findet der Richter aber keinen Glauben, dann trifft zu, was Johannes schreibt: "Wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes." (Joh. 3, 18) Wieso ist das so? Ganz einfach: Ohne Glaube gibt es keine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt! Somit kann einem Menschen, der nicht glaubt, das Gericht nicht erspart bleiben. Aber glauben ist nicht schwer! Versuch's doch mal!