Die Weihnachtsgeschichte nach Johannes
Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas kennen viele, die nach Johannes nur wenige. Wir finden sie im ersten Kapitel des Johannesevangeliums in Vers 14: "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit."
Geht das überhaupt? Kann der "Unveränderliche" etwas werden?
Der ewige Gott,
- der in seliger Unbedrohtheit und Bedürfnislosigkeit seit jeher in unendlicher Wirklichkeit existiert
- der schon immer besitzt, was er ist, in einer nur ihm eigenen heiteren Fülle
- der nicht noch etwas werden muss, wachsen muss, eine Aussage über sich erst noch einholen muss
- der schon alles ist
Ja, Gott wird, was er noch nie zuvor war: ein Mensch. Gott kommt aus der Zeitlosigkeit in die Zeit, aus der Bedürfnislosigkeit in die Bedürftigkeit, aus der Unsterblichkeit in die Sterblichkeit.
Das ist das Geheimnis Christi: Die göttliche Existenz nimmt am menschlichen Sein teil. Der ewige "logos" Gottes - die Selbstaussage Gottes - hat menschliche Natur angenommen. Das ist der höchste Wesensvollzug in der menschlichen Wirklichkeitsgeschichte. Die Person des Wortes Gottes kommt in meine zutiefst menschliche Natur hinein.
Das ist Weihnahten! Das feiern wir!
Musste es das "Wort" sein, der "logos"?
Durch sie Schultheologie sind wir irgendwie daran gewöhnt, es sei selbstverständlich, dass jeder der drei göttlichen Personen hätte Mensch werden können, wenn er es nur gewollt hätte, so als würde johannes gesagt haben: "Einer aus der Dreifaltigkeit ist Mensch geworden."
Johannes aber sagt: Der "logos" ist Fleisch geworden, die Selbstaussage Gottes ist Fleisch geworden. Alles, was Gott über sich weiß und sagen kann, ist in Jesus von Nazareth menschliches Fleisch geworden.
Kol. 2, 9: "In in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig."
Unser größtes Weihnachtsgeschenk an Gott:
Das wäre es, wenn wir uns ihm zu Verfügung stellen, damit er auch durch uns alles, was er denken und sagen möchte, in unserer menschlichen Gestalt offenbar machen kann.
In Jesus hat Gott menschliche Wirklichkeit angenommen, um sie dadurch zu konstituieren als das, was sie sein soll: Der neue Mensch, "der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph. 4, 24) Den sollen wir anziehen und unter die Leute tragen, nicht nur an Weihnachten, sondern täglich!