Jh.2 - Der Menschensohn
Schauplatz ist ein ländliches Hochzeitsfest im ärmlichen Kana in Galiläa, das ganz in der Nähe von Nazareth lag. Jesus fühlte sich hier vollkommen dazugehörig. Er war kein Spielverderber; er mochte Freude und Fröhlichkeit. Bei ihm fühlte man sich wie "in Sonnenschein gebadet."
Das Hochzeitsfest bildete wahrscheinlich den Höhepunkt im Leben der beiden jungen Menschen, die womöglich ihr ganzes weiteres Leben unter Armut zu leiden hatten und ständig schwer arbeiten mussten.
Maria hatte wohl etwas damit zu tun, dass das Fest ordnungsgemäß vorbereitet wurde und verlief. Denn sie war besorgt, als der Wein zu Ende ging und die Diener befolgten ihre Anweisungen ohne weiteres.
Mangelnde Vorräte bei einer Hochzeit hätten eine schlimme Schmach und entsetzliche Demütigung bedeutet.
Die ganze schöne Freude wäre sofort dahin gewesen. Denn Wein spielte bei Festen immer eine besondere Rolle: "Ohne Wein, keine Freude!" sagten die Rabbinen.
Jesu Antwort zu seiner Mutter (Was habe ich mit dir zu schaffen, Weib? Meine Stunde ist noch nicht gekommen) klingt in den meisten Übersetzungen schroff und abweisend.
Die aramäische Phrase, die Jesus gebrauchte, meint aber in etwa folgendes: "Jetzt mach' mal keine Panik; ich weiß schon, was ich tue."
Die sechs Krüge mit je zwei bis drei Amphoren (ca. 40 ltr.) Fassungsvermögen ergeben einen Gesamtinhalt von ca. 500 bis 700 ltr.
Aus dem Wasser war Wein geworden
Und nicht, wie manche meinen und lehren, Traubensaft. Das griech. Wort methuo meint: betrunken sein, sich betrunken haben oder betrunken gemacht worden sein.
Jesus offenbart seine Herrlichkeit
- in einem bescheidenen Haus
- in einer ländlichen Gemeinde in Galiläa
- vor dem Hintergrund anheimelnder Verhältnisse
- unter schlichten und einfachen Leuten
- in den alltäglichen Dingen des Lebens
Für ihn ist das ein Ort, an dem das Beste gerade gut genug ist. "Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt", stellt der Speisemeister fest.
Jesus setzt seine Kraft ein
- um eine schlichte Familie vor Schimpf und Schande zu bewahren
- um die Fröhlichkeit am Laufen zu halten
Er tat etwas Großes nicht bei einer großartigen Gelegenheit, sondern bei einer schlichten Familienfeier.
Sechs Wasserkrüge
Die Zahl sechs galt als unvollständige, unfertige und unvollkommene Zahl im Gegensatz zur Zahl sieben. Folglich verkörpern die sechs Wasserkrüge die ganze Unvollkommenheit des jüdischen Gesetzes. Jesus kam, um an die Stelle des unvollkommenen Gesetzes den neuen Wein des Evangeliums der Gnade zu bringen. Er verwandelte die Unvollkommenheit des Gesetzes in die Vollkommenheit der Gnade.
Jh. 1, 16: "Das Gesetz wurde durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden."
500 bis 700 ltr. Wein
Das ist bei weitem mehr als eine Hochzeitsgesellschaft braucht. Soll heißen:
- Die Gnade Jesu Christi reicht für alle Menschen
- Keine noch so große Not kann die Gnade Jesu Christi ausschöpfen
- Seine Gnade ist unermesslich und mehr als ausreichend für alles
Die Dionysos-Legende
Dionysos, der griech. Gott des Weines, soll einer Legende nach den Bewohnern der Stadt Elis anlässlich eines Festbesuches drei leere Kessel mit Wein gefüllt haben. Der Geschichtenerzähler sagt: "Ich selbst war zwar nicht zugegen ..."
Johannes aber war zugegen und sagt damit den Griechen: "Bei euch gibt es Götterlegenden und ihr wisst, dass es sich dabei nur um Geschichten handelt. Jesus aber hat in der Tat Dinge bewirkt, wie ihr sie euch von euren Göttern erträumt. Er ist der, der tut, was ihr euch von Gott ersehnt."
Und die Moral von der Geschicht'
Jesus offenbart seine Herrlichkeit (das ist seine Liebe zu den Menschen) vor allem anderen gern in den einfachen und täglichen Dingen des Lebens. Also bezieh' ihn mit ein.
Das macht er gern und gut und in einem Umfang, der mehr als genügt. Also brauch' ihn.
Seine Gnade und Wahrheit verwandelt das Unvollkommene in etwas, das gut schmeckt, Freude macht und die Fröhlichkeit erhält. Also lass ihn ran.
Jesus erfüllt, was Menschen sich von einem Gott erträumen und ersehnen. Also vertrau' ihm.