Jh. 9 - Das Licht der Welt

Hintergrund:

Jesus heilt den Blindgeborenen Bereits im letzten Kapitel wollte Jesus sich als Licht der Welt offenbaren. (V. 12) Aber wegen des Widerspruch der Pharisäer, geriet er in ein Wortgefecht über seine Glaubwürdigkeit, die darin gipfelte, dass er sagte: "Lange bevor Abraham geboren wurde, war ich da." (V. 58)

"Da hoben sie Steine auf und wollten ihn töten." (V. 59)

"Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hindurch."

"Und im Vorbeigehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt blind war." (Jh. 9, 1)


Wer hat gesündigt?

Er selbst? Manche lehren pränatale Sünden im Mutterleib, also Babys, die in Mamas Bauch sündigen.

Platon hatte die Idee der Prä-Existenz als Geist, der auf seinen Leib wartet, also Sünden, die im Vor-Leben geschehen sind und sich auf die Zuteilung des Leibes auswirken.

Die Mormonen lehren ebenfalls eine Prä-Existenz, und zwar als himmlische Könige, denen Körper gegeben werden, um auf Erden erprobt zu werden und die mormonische Wahrheit zu finden. Dann wird man in der nächsten Welt zur Gottheit erhoben und bekommt seinen eigenen kleinen Planeten usw.

Oder haben seine Eltern gesündigt?

Hier haben wir es mit dem Bild eines vergeltenden Gottes zu tun.

Die Tröster Hiob's hatten so eine Gottesbild. Denn sie sagten in etwa: "Du musst etwas ganz Schlimmes getan haben. Bekenne lieber deine Sünde, statt zu behaupten, dass du unschuldig bist. Keiner würde so etwas erleiden müssen, wenn er nicht wirklich ein schlimmer Sünder wäre.

Wenn dem so wäre, dann wäre keiner von uns da.

Gott wird vergelten, aber nicht jetzt. "Es kommt der Tag der Rache des HERRN und das Jahr der Vergeltung. (Jes. 34, 8)

Jetzt aber versucht Gott, Menschen zu sich zu ziehen, um sie durch seinen Sohn zu retten. "Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten." (Jh. 3, 17)


Kinder und die Sünden der Eltern

Der Verstand muss erhellt werden

"Was habt ihr da für ein Sprichwort im Land Israel? Ihr sagt: Die Väter essen unreife Trauben und die Söhne bekommen davon stumpfe Zähne." (Hes. 18, 2 ff und Jer. 31, 27-34)

Jesu Antwort auf die Frage, wer gesündigt hat, ist ganz eindeutig: "Weder noch"

Das sagt er als das Licht der Welt, "das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen." (Jh. 1, 9)

Der Ort, wo es finster ist (Eph. 5, 18) und wo es Erleuchtung braucht, ist der Verstand.

Die meisten Übersetzungen lesen: "Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist."

Also ob Gott diese Krankheit als Mittel zum Zweck vorgesehen hat. Das ist wahrscheinlich nicht die richtige Interpretation.

Mit einer anderen Zeichensetzung (Punkt statt Komma) entsteht eine alternative Interpretationsmöglichkeit: "Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern. (Gedanke zu Ende - neuer Gedanke) Aber damit die Werke Gottes offenbar werden, auch an ihm, müssen wir die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist."

Also dieses Unheil ist geschehen, weil in dieser gefallenen Welt eben Unheil geschieht. Schließlich herrscht in dieser Weltzeit der Tod. Aber Gott möchte, dass seine Werke offenbar werden und die sind Heilung.


Der Blindgeborene

Er ist nicht erblindet, sondern so geboren - wie wir in geistlicher Hinsicht. Er ist wohl noch ein Jugendlicher, aber schon mündig, d.h. 14 Jahre oder älter. (V. 21) Ihm wurden "die Augen aufgetan" (V. 10) - genau wie wir das in geistlicher Hinsicht auch brauchen. Seinen Heiler kennt er zunächst nur als "der Mensch, der Jesus heißt." (V. 11) So betritt Jesus meist auch in unseren Lebenskreis. Er ist recht schnell auch ein "helles Köpfchen" vor den Pharisäern. (V. 24-34) Mit seinen Antworten und seinem Mut, bringt er sie ganz schön auf die Palme. Und zuletzt hat er das Licht gesehen, als Jesus sich ihm offenbarte. (V. 35-38). Damit ist er ein ganz gutes Modell für uns in geistlicher Hinsicht.


Richtig oder falsch?

Erleuchtung

"Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält." (V. 16) nach dem Motto: Was sich nicht an die Regeln hält, kann nicht von Gott sein.

Ist es erlaubt, am Sabbath zu heilen?

Das ist schon ganz schön verrückt: Man darf am Sabbath tun, was immer zu tun ist, um ein Leben zu retten. Aber heilen darf man am Sabbath nicht. D.h. wenn sich jemand z.B. den Fuß verstaucht hat, dann darf er den Knöchel nicht mit Wasser kühlen, um die Schwellung einzudämmen. Denn das wäre eine heilende Handlung. Damit muss man warten, bis der Sabbath um ist - auch wenn es dann schon zu spät ist. Wer denkt sich so etwas nur aus?

Jesus ist da eindeutig anders: (Mt. 12, 12) "Es ist erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun."

Lk. 6, 5: "Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat" - und nicht die Schriftgelehrten.

Richtig oder falsch: "Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?" (V. 16) nach dem Motto: Sünder können keine Zeichen tun.

Jesus warnt: (Mt. 24, 24) "Viele werden sich nämlich als 'Christus' ausgeben, und es werden falsche Propheten auftreten. Sie vollbringen große Zeichen und Wunder, um - wenn möglich - sogar die Auserwählten Gottes irrezuführen."

Off. 13, 13: "Das zweite Tier tat große Wunder: Vor allen Menschen ließ es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen."

Richtig oder falsch: "Wir wissen, dass Gott die Sünder nicht erhört." (V. 31)

Wenn dem so wäre, dann wäre keiner von uns gerrettet.

Jesus lehrt etwas anderes (Lk. 18, 13+14). "Der Zöllner betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück."

Das ist zwar ein weit verbreiteter Volksglaube, aber keine biblische Doktrin.

Ähnliche Schriftstellen sind anders zu deuten, z.B. Ps. 66, 18: "Hätte ich Böses im Sinn gehabt, so hätte der Herr mich nicht gehört." Hier geht es darum, dass Gott kein Komplize ist bei bösen Taten. Und Jes. 59,1+2: "Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, so dass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet." - Hier ist nicht Gott der aktive Handelnde, sondern die Sünden sind es, die hier aktiv sind.


ein großes licht

Sind wir denn auch blind?

Niemand ist so blind, wie der, der einfach nicht sehen will. Denn "wärt ihr tatsächlich blind, dann träfe euch keine Schuld. Aber ihr sagt ja: 'Wir sehen.' Deshalb kann euch niemand eure Schuld abnehmen." (V. 41)

Ein Mensch ist in dem Maß verantwortlich wie er Licht über die Sache hat. Sie hatten das Licht. Sie sahen das Licht, es redete zu ihnen, aber sie wollten nicht in diesem Licht wandeln.

Fazit:

Jesus ist gekommen, "damit die Blinden sehend" werden, auch die blinden Nationen. "Das Volk, das in der Finsternis wohnt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die im Schatten des Todes leben und ohne Hoffnung sind." (Mt. 4, 16)

Sein Auftrag ist zu erleuchten, das Licht im finsteren Verstand anzumachen. Denn er ist "die Sonne der Gerechtigkeit und Heilung ist unter ihren Flügeln." (Mal. 3,20)

Sein Licht scheidet aber auch. "Und so vollzieht sich das Urteil: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht ... Wer Böses tut, scheut das Licht und bleibt lieber im Dunkeln. Wer aber die Wahrheit Gottes liebt und das tut, was er will, der tritt ins Licht!" (Jh. 3, 19-21)

Für den ist Jesus dann "das Licht". Und dem verspricht er: "Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht und mit ihm das Leben." (Jh. 8, 12)