Ostern 2010
Lassen Sie mich Ihnen noch ein paar Gedanken zu Ostern mitteilen: Zwar erleben wir gerade den Frühling, das neu erwachende Leben nach der langen, kalten Winterruhe. Die Sonne erwärmt unsere Gemüter, das hebt die Stimmung, das mögen wir. Die ersten Blumen zeigen ihr Gesicht und mich kitzelt sogar schon der Heuschnupfen schon wieder leicht in der Nase. Selbst die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise scheint überwunden, denn die "Bankster" - wie eine Zeitung titelte - können sich wieder Boni auszahlen. Klingt nach Auferstehung, nicht wahr? "Ist doch Ostern!" möchte man rufen.
Und schon haben wir die wesentliche Wahrheit wieder verdrängt: An Ostern fand ein Gericht statt. Neu erwachendes Leben beginnt mit Gericht, einem Gericht über Sie und mich, einem Gericht über die Sünde. (Falls Sie nicht mehr wissen, was das ist: Sünde ist schlichtweg, das Falsche getan zu haben - oder das Richtige nicht.) Vollzogen wurde dieses Gericht an einem jungen Mann, der Jesus hieß.
Und dann war da noch dieser selbstgefällige und selbstherrliche römische Statthalter mit dem Namen Pilatus, ein Mann, weit weg von von Religion. Politik war seine Welt, aber nicht Religion. Und plötzlich hatte er es mit diesem Jesus zu tun: "Was soll ich mit diesem Jesus tun?" fragte er. Wir wissen, wie das ausging: Pilatus beugte sich dem öffentlichen Druck und verbannte Jesus aus dem Leben. Tun wir das nicht auch zu gern?
Der Apostel Petrus (oder mit anderen Worten: der erste Papst) schreibt: "Jetzt ist die Zeit, in der das Gericht beim Haus Gottes beginnt; wenn es aber bei uns anfängt, welches Ende werden dann die nehmen, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen?"
In unseren Tagen erleben wir Gericht am Haus Gottes: Die evang. Bischöfin Käßmann wird mit Alkohol am Steuer erwischt und tritt zurück. Und in der kath. Kirche kommt ein Missbrauchsfall nach dem anderen ans Licht. Mittlerweile gibt es einen Fond für die Geschädigten und schon hat die Kirche Angst, dass jemand "Nicht-Geschädigter" diesen Geldtopf "missbrauchen" könnte. Statt sich um die Opfer (schutzbefohlene Kinder!) zu sorgen, sorgt sich die Kirche um ihr Geld und den Ruf ihrer Priester. Rufmord und Verleumdung unschuldiger Kirchendiener wird befürchtet. (Ich habe Mitgefühl mit all jenen Priestern, die unschuldig sind und jetzt zu Unrecht in ein schlechtes Licht gestellt werden. Ich kenne das selbst seit Jahren. Werde ich doch als Pastor einer evang. Freikirche in einer überwiegend kath. Gegend immer wieder in die "Sektierer-Ecke" gestellt - zu Unrecht!)
Was mich wundert, ist dass es (noch) kein Gericht gegeben hat über die "schlauen Banker", die ihre faulen Kredite bzw. "giftigen Papiere" - wie das jetzt heißt - an die Bürgschaftsfähigkeit der Bürger und Bürgerinnen abgeschoben haben. Wahrscheinlich kommt daher der Name Bürger - von bürgen ... Was hier geschieht, ist auch Missbrauch! Hier wird ein ganzes Volk für die habgierigen Zwecke von Geschäftemachern missbraucht.
Aber zurück zu Ostern: Ostern ist Gericht!
- ein Gericht über Sünde
- vollzogen an Gottes eigenem Sohn
- um zu zeigen, dass Gott es mit der Gerechtigkeit ernst nimmt
Bleibt noch die Frage von Pilatus: Was soll ich mit diesem Jesus tun? Mein Vorschlag: Glauben Sie an ihn und hören Sie auf das Evangelium! Wenn Sie Ihr Gewissen quält, wenn Sie etwas bereuen, was Sie getan haben - oder versäumt haben, dann wenden Sie sich doch einfach in einem kleinen Gebet an Jesus. Bitten Sie ihn um Gnade, um Vergebung. Er kann und wird ihnen helfen. Schenken Sie doch Jesus ihren Glauben und Sie werden die Kraft der Auferstehung erleben und zu einem neuen Leben finden können. Das verspricht er! Und dass Sie das erleben, das wünsch' ich Ihnen in diesen Frühlingstagen!