Pfingstpredigt
Nach Weihnachten und Ostern ist Pfingsten als das letzte Fest der Höhepunkt dessen, was die Christenheit feieren
kann: das Kommen des Heiligen Geistes auf die Menschen und die Geburtstunde der christlichen Gemeinde und Kirche.
Gott hat das durch den Propheten Joel angekündigt mit den Worten: "Es wird geschehen, dass ich meinen Geist über
alles Fleisch ausgieße, so dass eure Söhne und Töchter prophetisch reden, eure Greise Offenbarungen und Träume haben,
eure jungen Leute Gesichte schauen." (Joel 2, 28)
Im Kern dieser Prophetie geht es darum, dass durch den Heiligen Menschen, die die Dinge des Lebens von Gott her sehen,
hören und ansprechen können - ganz besonders in einer Welt, die auseinander fällt und zerbricht (V. 30+31)
Aus der Perspektive Gottes
Die sehen da oftmals ganz anders aus, nicht wahr? Aber ist das nicht gut, wenn man manchmal die Dinge des eigenen Lebens aus der Perspektive Gottes aufgezeigt bekommt? Mir selbst ist das noch sehr eindrücklich in Erinnerung, als ich mich vor einigen Jahren nach einem Herzinfarkt einer 3-facher Bypass-OP unterziehen musste. Ich hatte Angst, ich könnte sterben und wollte mein Leben bereinigen. Und so las ich zum Trost in der Bibel und betete, dass mir der Heilige Geist mein Leben zeigt. Ich las in Jesaja 58, da geht es um ein Fasten, das Gott gefällt - also Abspecken, was Gott nicht gefällt!
- nicht rücksichtslos dem eigenen Profit nachjagen
- seine Arbeiter und Mitarbeiter nicht ausbeuten
- Ungerechtigkeiten aufgeben und loslassen
- sich der Armen und Bedürftigen erbarmen
- aufhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen
- nicht mehr böse daher reden ...
Alles Dinge, die in meinem Leben der Korrektur bedurften. Mein Herz war hart geworden. Womöglich war ich daher auch
herzkrank geworden. Ich räumte auf und das tat gut.Aber da war auch zu lesen: "deine Heilung wird schnell voranschreiten" und das hat mir Glauben, Hoffnung, Kraft und Mut gegeben, durch diese schwere Zeit hindurch zu gehen. Ich bin froh, dass ich mein Leben auf dieser Erde nicht ohne den Heiligen Geist leben muss. Für mich wäre es eine Horrorvorstellung, wenn der Heilige Geist weg wäre und ich ohne sein Wirken klar kommen müßte. Und dennoch wird genau das eines Tages passieren.
Heiliger Geist vs. Macht der Ungerechtigkeit
Der Apostel Paulus schreibt in 2. Thess. 2, 7: "Die geheimnisvolle Macht der Ungerechtigkeit ist zwar schon am Werk; nur muss erst der noch aus dem Wege geräumt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält."Wahrlich, die geheimnisvolle Macht der Ungerechtigkeit ist schon am Werk. Nehmen wir nur das jüngste Beispiel:
Banker, die aus einst soliden Sparbanken "Spielbanken" gemacht haben, die das Geld anderer Leute verzockt haben, die selbst reich geworden sind, während sie das Risiko in Kauf genommen haben, dass andere Leute ihr Geld verlieren, die dafür aber nicht belangt werden (als ob der angerichtete Schaden nicht schlimm genug wäre!) Wahrlich eine geheimnisvolle Macht der Ungerechtigkeit ist schon am Werk!
Oder nehmen wir ein älteres und immer noch aktuelles Beispiel: Den rückgängigen Gottesdienstbesuch. Klar, es steht geschrieben: Du sollst den Feiertag heiligen. Haben wir alle gelernt, wissen wir. Tun aber nicht alle. Heilig heißt u.a. "dem Herrn gehörend". Aber immer mehr leben so, als ob der Feiertag ihnen gehört, statt dem Herrn. Ob das so richtig ist, wage ich zu bezweifeln. Ob nicht auch hier bereits die geheimnisvolle Macht der Ungerechtigkeit am Werk ist?
Wer wird sich ihr entgegen stellen, wenn nicht Menschen, in denen der Heilige Geist ist? Menschen, die die Dinge des Lebens von Gott her sehen, hören und ansprechen können?
Horrorszenario
Der Apostel Johannes beschreibt in Off. 11 die ganze Welt als eine Stadt, die zertreten wird. Dem stellen sich nur
wenige Menschen (in seiner Vision sind es zwei) entgegen, die die Dinge von Gott her sehen, hören und ansprechen. Die
Menschen hassen sie, weil sie ihr Zeugnis nocht hören wollen, aber beseitigen können sie sie auch nicht.
Erst ein 'Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt', kann sie überwinden und töten. Das bekommen alle Menschen mit und
jener Tag wird zu einem weiteren Feiertag, denn 'die Bewohner der Erde freuen sich darüber und sind fröhlich und
werden einander Geschenke senden'. Ein zweites Weihnachten wird das werden.
Aber es wird nur drei Tage dauern, denn dann werden die zwei Propheten durch den Geist Gottes wieder lebendig
gemacht und eine Stimme aus dem Himmel ruft: Steigt herauf! Und sie stiegen hinauf in den Himmel und weg waren sie.
Jetzt beginnt eine andere Zeit. Die Menschen, auf die der Heilige Geist gekommen war, sind weg. Der Heilige Geist ist
weg und der Weg ist frei für die geheimnisvolle Macht der Ungerechtigkeit. Die Erde ist nun hilflos dem Wehe
ausgesetzt!
Glücklicherweise sind wir noch nicht an diesem Zeitpunkt der Weltgeschichte. Der Heilige Geist ist noch da und die
christliche Gemeinde und Kirche ist auch noch da.
Wer ist der Heilige Geist?
Der Heilige Geist ist eine göttliche Person in dem Sinne, dass er nicht erdichtet und
erdacht ist - denn dann wäre er nur ein Gedanke. Er ist unwandelbar, nicht dem
Zufall unterworfen, in seiner Existenz nicht auf einen anderen angewiesen.
(Anders die Sünde: Die braucht, um zu existieren, immer einen "Wirt".)
Der Heilige Geist ist auch nicht ein Ding (wie so ein Ding aus einer anderen Welt,
das man in seine Bestandteile zerlegen könnte.) Er ist etwas sehr wesentliches, einmaliges, mit einer sehr klaren,
unterschiedenen und eigenen Identität und der Fähigkeit, die Wahrheit zu denken, zu
fühlen und zu wollen, so sehr, dass Jesus ihn den Geist der Wahrheit nennt.
Der Heilige Geist geht aus vom Vater. Er ist diese wesentliche Liebe und Freude, die wie eine Flamme im Vater für den
Sohn und im Sohn für den Vater brennt.
Einige Beispiele dieser Liebe und Freude:
Joh. 3, 35: "Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben."
Joh. 5, 20: "Der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut."
Mat. 3, 17 und 17, 5: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe."
Der Heilige Geist geht auch aus vom Sohn, der ihn ja sendet. Er ist als Flamme über alles Fleisch ausgegossen worden,
damit sie in den Gläubigen dieselbe Liebe und Freude am Vater und am Sohn anzündet. Er erweckt in uns die gleichen
heiligen, reinen und tugendhaften Regungen, wie sie eben der Heilige Geist in seiner Ganzheit verkörpert.
Was bewirkt der Heilige Geist in den Gläubigen?
Zu allererst die Anrufung Gottes:Wir haben einen Geist empfangen, der in uns
betet. Und jetzt betet es in uns. (siehe Röm. 8, 15+26; Gal. 4, 6)
Dann die Freude im Herzen und Liebe zu Gott, die sich aus dem Mund ergießt und von Jesus zeugt. "Ihr werdet Kraft
empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein." (Apg. 1, 8; Joh. 15, 27)
Und Stärke am inneren Menschen, primär um die Furcht zu besiegen: "Er gebe euch, nach dem Reichtum seiner
Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen." (Eph. 3, 16). "Denn Gott hat
uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." (2. Tim. 2, 17)
Der Heilige Geist ist dieses Wirken in unseren Herzen
- das uns sanft und zart berührt
- das uns die Worte und Gesten Gottes zuwendet, klar und deutlich
- das unser Leid lindert
- das uns stark macht gegen unsere Ängste und Sorgen
- das neue Freude an Gott erregt
- das neue Liebe zu Gott entflammt
- das neues Zutrauen erweckt
- das uns zum Beten bringt
- das uns zu begeisterten und mutigen Zeugen Jesu macht
Wie kann man den Heiligen Geist bekommen?
Jesus hat diese Frage mit folgen Worten beantwortet: "Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu
geben wisset, wieviel mehr wird der Vater im Himmel, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!" (Luk. 11, 13)
Den Heilgen Geist bekommen, die, die den Vater im Himmel darum bitten.
Menschen sollten nicht ohne ihn auf dieser Erde leben müssen. Also bitte den Vater im Himmel, dass er Dir den Heiligen
Geist gibt!