Teil des Ganzen sein
Allein schon die Idee, Teil eines Ganzen zu sein, steht im krassen Gegensatz zu dem, was der aufgeklärte, moderne Mensch des 21. Jahrhunderts gern möchte, nämlich ganz in sich selbst sein. Nichtsdestotrotz heißt es in den Heiligen Schriften:
"Wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist." (Röm. 12, 4-6a)
Paulus konstatiert hier:
- Einer allein kann nicht Gemeinde sein, dazu bedarf es anderer.
- Jeder hat andere Aufgaben und Funktionen.
- Gemeinde "funktioniert" nur im "Zusammenspiel der Zusammengehörigkeit".
- Einer des andern sein, geht nur "untereinander", nicht "übereinander". (Der Höhergestellte ist immer der andere!)
- Zueinander: Freundlich (wie Frende)
- Miteinander: Verbindlich und verlässlich
- Füreinander: opferbereit (denn Gemeinde sein kostet etwas)
- Die Gaben sollten zur Aufgabe passen bzw. umgekehrt die Aufgabe zur Begabung und Eignung.
Was eine Gemeinde braucht
Paulus schreibt in den Versen 6b-8: "Ist jemand prophetische Rede gegeben, soübe er sie dem Glauben gemäß. Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern."
- Prophetische Rede: Das ist die Fähigkeit, die dinge von Gott her zu sehen, zu hören und auszusprechen, damit Glaube angesprochen und hervorgerufen wird
- Viele Diener, die ihren Dienst wie ein Amt verstehen und fleißig sind, denn sonst läuft nichts
- Lehrer, die das Denken der Gläubigen mit den Wahrheiten des Evangeliums beeinflussenund formen
- Ermahner, die die Moral stärken und hochhalten (damit die Gläubigen tun, was sie sollen)
- Geber und "Mitteiler", die keine Hintergedanken haben
- Leiter mit Eifer und Sorgfalt
- Und ganz viele Menschen, die barmherzig sind von Herzen, weil sie selbst Barmherzigkeit erfahren haben
Das Fundament für das ganze "Gemeindeding"
Paulus rückt damit gleich zu Anfang raus in Vers 3: "Ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat."
Es geht darum, seinen Platz zu finden zwischen erhaben über der Menge und verloren in der Masse.
Dem entgegen steht die antisoziale Persönlichkeitsstörung des Narzissmus. Das ist keine Marotte, sondern die psychische Krankheit der Verliebtheit in das Bild, das man von sich hat, unabhängig davon, ob es zutreffend ist bzw. angemessen.
Eine kurze Erläuterung der Persönlichkeitsstörung des Narzissmus in Abgrenzung zu gesunder Selbstliebe finden Sie hier.
Narzissten neigen dazu, sich schöner und besser zu sehen, als sie es sind. Weil sie ihre eigene Realität aus den Augen verloren haben bei der Betrachtung ihres "Bildes" von sich, können sie nicht ehrlich sein zu Gott und zu andern. Das aber braucht es, um ein funktionierendes Glied am Leib Christi zu sein.
Paulus mahnt in Eph. 4, 25: "Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind."
Unsere wahre Bedeutung um Leben erwächst aus der Rolle, die wir im Leben anderer spielen. Anderen zu dienen und sie im Leben voran zu bringen, ist unsere primäre Mission.
Jesus hat es so formuliert: "Wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten." (Mark. 8, 35)
Oder mit anderen Worten: Statt unser Leben zu konservieren (- was eh nicht möglich ist -), ist es besser, unser Leben sinnvoll "auszugeben".