Vergebungsprozesse (von Thomas Vaasen)

Während und weil unsere äußere Kultur (die Wertegemeinschaft zu der wir uns zählen) zunehmend auseinanderfällt, wird es für uns als Christen zunehmend wichtiger, die innere Kultur (das, was für mich richtig und wichtig ist) zu stärken.
Bremsen lernen
Hätten wir keine Erziehung gehabt, dann wären wir alle "kleine Monster" geworden. Wir würden weer "bitte" noch "danke" sagen, würden uns nicht waschen und auch keine Zähne putzen, würden nicht grüßen und uns auch nicht entschuldigen. Wir haben zwar von Geburt an "Motoren" (Triebe, Antriebe), aber keine "Bremsen". Aber wir brauchen Bremsen. Die müssen wir lernen.

Das ist z.B. innere Kultur: das Erlernen von Gasgeben und Bremsen. Wenn man das nicht richtig erlernt (beim Führerschein-Machen), dann riskiert man Gesundheit und Leben - nicht nur das eigene, sondern auch das der anderen.

Was heißt innere Kultur stärken z.B. für mich, Thomas Vaasen?

Und die Moral von der Geschicht':

Was immer Dich davon abhält, Jesus nachzufolgen, verkauf' es und trenn' Dich davon und folge Jesus.


Beziehungsfähig werden

2. Pet. 1, 10: "Liebe Brüder (und auch Schwestern), bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr nicht straucheln."

Nicht zu straucheln, ist überaus erstrebens- und wünschenswert. Dazu müssen wir aber wissen, was unsere Berufung und Erwählung überhaupt ist. Meines Erachtens ist es, in Beziehung treten zu können.
in Beziehung treten
Jesu wichtigster Job war es, die Beziehung zwischen Mensch und Gott wieder zu ermöglichen. Es gab nämlich keine. Sie war nicht möglich, weil durch Sünde versperrt. Die hat Jesus weggenommen. Und jetzt gibt es kein Hindernis mehr zwischen Gott und uns. Wir können ungehindert zum Gnadenthron laufen und Barmherzigkeit und Gnade erlangen. (siehe Heb. 4, 16)

Jesus hat seinen Job erledigt. Und was ist jetzt unser Job?

Genau das gleiche. Nämlich Beziehung herstellen und wiederherstellen.

2. Kor. 5, 18+20: "Alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!"

Und dazu braucht es Vergebungsprozesse. Denn wir alle haben Beziehungsprobleme. Wir fühlen uns beleidigt, abgelehnt, nicht beachtet, schief angeschaut, benachteiligt, übervorteilt, unterdrückt, verletzt usw.

Um gerettet zu werden, braucht man nur mit dem Herzen zu glauben und mit dem Mund zu bekennen. (Röm. 10, 10)
Vergebungsprozesse braucht man dazu nicht. Die braucht man aber, um im Leben zurecht zu kommen, um in Beziehung treten zu können und für andere Menschen da sein zu können.

Das Ziel ist: Liebe zu allen Menschen (2. Pet, 1, 7)


Die Schritte im Vergebungsprozess

Der erste Schritt:

Vergebung beginnt mit der Bereitschaft abzurechnen. Das ist der erste Schritt. Die Ungerechnigkeit ist zu benennen. Denn da gibt es eine Schieflage, ein Ungleichgewicht.
Das ist zu benennen.

Hoch-kommen-lassen ist die Voraussetzung für Los-werden-können. Erst wenn wir die Dinge hochkommen lassen, können wir sie am Kreuz von Golgatha abladen und damit zu Gott kommen, um Heilung und Befreiung zu empfangen.

Wenn wir die Verletzung, die Beleidigung und den Schmerz abladen können, dann können wir auch das Bedürfnis nach Genugtuung und Bestrafung loslassen und Frieden schließen.

Das nennt man dann Vergebung.

Definition:

Vergebung ist die Erlassung der Konsequenzen von Schuld und Sünde und geschieht im Herzen (Gottes oder des Menschen) als "innere Vergebung" und zeigt sich im sozialen Bereich als "äußere Vergebung", auch Versöhnung genannt.

Die "innere Vergebung" ist eine Voraussetzung für eine dauerhafte "äußere Vergebung" und einseitig sowohl möglich als auch nötig.

Der zweite Schritt:

Der Bereitschaft folgt dann das Abrechnen selbst. Die jeweilige Schuld, ob die eigene oder die des anderen ist beim Namen zu nennen (und zwar so, wie ich sie subjektiv erlebt und empfunden habe).

Hier regt sich zumeist Widerstand, denn es kommen Gefühle von Unbehagen, Ekel, Angst, Scham, Zorn, Schmerz oder auch Schadenfreude hoch.

Der dritte Schritt:
Versöhnung ist Freude
Nun folgt das Erbarmen. Das ist Gottes Teil. Der Mensch lässt die Liebe, Güte und den Trost Gottes an seine schmerzenden Stellen heran. Das passiert als eine Wirkung des Heiligen Geistes im Gebet. Es kommt zu tatsächlicher Heilung, d.h. der zugefügte und erlebte Schmerz verliert seine Macht und klingt ab. Dabei kann es durchaus passieren, dass der hochkommende Schmerz noch einmal intensiv gefühlt wird. Aber dann verschwindet er.

Der vierte Schritt:

Nun kann das aktive Freigeben und Loslassen folgen. Der Mensch verzichtet auf alle Ansprüche und das Verlangen, den andern bestraft zu sehen. Gnade darf walten und Heilung geschehen. Das macht Platz für neue Hoffnung.

Der letzte Schritt:

Schließlich folgt die innere Versöhntheit. Der Mensch wird ledig, los und frei von dem Schaden der zugefügten Sünden und muss sich länger unfreiwillig und schmerzhaft an all die erlittenen und bitteren Erfahrungen erinnern. Die Schuld ist erlassen und Gerechtigkeit kann sich breit machen. Erneuerung kann geschehen.


Fazit:

Diese fünf Schritte im Vergebungsprozess bedürfen keiner besondern Fähigkeiten. Entscheidend ist nur die Willigkeit. Hat man sich jedoch erst einmal auf den Pfad der Vergebung begeben, dann wächst das Bedürfnis nach Versöhnung und man jagt dem Frieden nach gegen jedermann. (siehe Heb. 12, 14)