Falsche Vorstellungen von Gott

in Not geraten

In Jer. 23, 23 heißt es in der engl. Bibelübersetzung: "I am a god at hand and not a god far off". Zu Deutsch: "Ich bin ein Gott, der nahe ist und nicht ein Gott, der weit weg ist."

In Ps. 46, 1 singt der Psalmist: "Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine reichliche Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben."


Eine reichliche Hilfe in Not

Das Volk Israel wurde immer wieder von großen Nöten getroffen. So z.B. in 2. Mo. 1, 8-11: "Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen. Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte. Aber je mehr sie das Volk bedrückten, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor Israel. Da zwangen die Ägypter die Israeliten unbarmherzig zum Dienst und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen auflegten ohne Erbarmen."

In 2. Mo. 2, 23-25 geht die Geschichte weiter: "Lange Zeit aber danach starb der König von Ägypten. Und die Israeliten seufzten über ihre Knechtschaft und schrien, und ihr Schreien über ihre Knechtschaft kam vor Gott. Und Gott erhörte ihr Wehklagen und gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an.

Der Plan ist ein ganz einfacher:

Gott sagt zu Mose: "Danach sollst du mit den Ältesten Israels hineingehen zum König von Ägypten und zu ihm sagen: Der HERR, der Gott der Hebräer, ist uns erschienen. So lass uns nun gehen drei Tagereisen weit in die Wüste, dass wir opfern dem HERRN, unserm Gott.

Gott wollte den Israeliten nicht nur aus ihrer Notlage helfen, sondern ihnen nahe kommen. Darum sollten sie drei Tagereisen entfernt in der Wüste einen Gottesdienst feiern.


Umgang mit Gott

In 2. Mo. 19, 1 lesen wir dann, dass sie anstatt drei Tage auf den Tag genau drei Monate brauchten, um an den Ort des Gottesdienstes zu gelangen. Wir lesen dann in Vers 3-8: "Und Mose stieg hinauf zu Gott. (Der hatte kein Problem, sich Gott zu nahen.) Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst. Mose kam und berief die Ältesten des Volks und legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm der HERR geboten hatte. Und alles Volk antwortete einmütig und sprach: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun. Und Mose sagte die Worte des Volks dem HERRN wieder."

Das ist doch irgendwie ein merkwürdiger Umgang mit Gott: Gott redet mit Mose. Der sagt es dem Volk. Das Volk redet mit Mose und der wiederum richtet die Antwort Gott aus. Und dabei wollte Gott doch ein ganzes Volk von königlichen Priestern, die einen direkten Umgang mit ihm haben, oder etwa nicht?


Gott naht sich

Gott kommt auf den Berg Sinai

In 2. Mo. 19, 16-22 lesen wir wie nun Gott in seiner Herrlichkeit kommt: "Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der HERR auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr. Und der Posaune Ton ward immer stärker. Und Mose redete und Gott antwortete ihm laut. (Der musste bei dem Lärm entweder ein ziemliches Organ gehabt haben oder das Gespräch zwischen Mose und Gott lief im Geist.) Als nun der HERR herniedergekommen war auf den Berg Sinai, oben auf seinen Gipfel, berief er Mose hinauf auf den Gipfel des Berges und Mose stieg hinauf. Da sprach der HERR zu ihm: Steig hinab und verwarne das Volk, dass sie nicht durchbrechen zum HERRN, ihn zu sehen (= Gaffer-Neugier), und viele von ihnen fallen. Auch die Priester, die sonst zum HERRN nahen dürfen, sollen sich heiligen (= Respekt und Achtung entgegenbringen), dass sie der HERR nicht zerschmettere."

Hier sehen wir eine Facette von Gott, nämlich seine Größe und Heiligkeit - furchteinflößend, nicht wahr? Doch nicht für Mose. Der hat auch schon andere Facetten von Gott kennengelernt. Er konnte sich Gott nahen. Aber auch er musste lernen, dass "Gaffer-Neugier" in Bezug auf Gott unangebracht ist. Als Mose den brennenden Busch sah, lesen wir von ihm in 2. Mo. 3, 3-5: "Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. (Auch er war neugierig.) Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

Gott ist schon ein Gott, der die Nähe zu den Menschen sucht, aber nicht eine respektlose, wie zwischen zwei Menschen, die schon mal miteinander besoffen unter dem Tisch gelegen haben. Gott legt Wert auf eine gewisse, gebotene Distanz, damit nix kaputt geht.


Die falsche Reaktion

Nachdem Gott Mose die Zehn Gebote gegeben hatte, lesen wir in 2. Mo. 20, 18-21: "Und alles Volk wurde Zeuge von dem Donner und Blitz und dem Ton der Posaune und dem Rauchen des Berges. Als sie aber solches sahen, flohen sie und blieben in der Ferne stehen und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben. Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist nahe zu euch gekommen, um euch vor Augen zu stellen, dass er zu fürchten sei, und ihr nicht sündigt. Aber das Volk blieb Gott ferne, nur Mose nahte sich Gott."

Das ist traurig, aber leider wahr und viele Menschen denken so: Gott ist so groß und heilig, dem bleib' ich lieber fern. Dabei geht's doch darum, dass Menschen der Sünde fern bleiben und nicht Gott!


In seinem Bilde

Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach seinem eigenen Bilde, d.h. nach seinem eigenen Schema, nach einer Vorlage, die er selbst war, quasi so wie auch Gott selbst zusammengesetzt ist. Ein Grund dafür war sicher, dass Gott nicht wollte, dass er uns fremd vorkommt. Und ein anderer Grund war bestimmt, dass er wollte, dass wir uns nicht schwer tun, mit ihm in eine Beziehung zukommen. Gott wollte nicht, das wir Menschen und er zu verschiedenartig sind. Im Bilde Gottes geschaffen


Gottes Lieblingsname

In Joh, 17, 6 betet Jesus: "Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart." Und dieser Name ist zweifelsohne der Name VATER. Das ist es auch, was der Geist, den wir als Christen von Gott empfangen, ruft, wenn er so darf, wie er will: "Ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!" (Röm. 8, 15) Und "weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!" (Gal. 4, 6)

Jesus hat Gott als Vater offenbart, der weiß, was gut und richtig ist und auch in der Lage ist, zu tun, was gut und richtig ist.


Da sitzt das Problem

Eltern, selbst die besten, sagen und tun Dinge, die in ihren Kindern einen bleibenden Kummer verursachen können. Leider! Wir sind nicht perfekt wie Gott. Machen wir uns nichts vor: Besonders die noch kleinen und jungen Menschen sind nunmal sehr verletztlich und enttäuschbar!

Skandalrapper Bushido Auch noch so gute Eltern treffen manchmal armselige Entscheidungen, die letztlich Schaden anrichten in ihren Kindern. Nur ein Beispiel: Ich selbst habe, um meine Familie zu ernähren, zu einer bestimmten Zeit, die Entscheidung getroffen, für einige Jahre in Traunstein zu arbeiten, weil ich da nur das Geld verdienen konnte, da ich brauchte. Dadurch war ich sehr viel abwesend. Und dabei hätte mich mein Sohn gerade in dieser Zeit als Vater gebraucht, der da war. Ich wollte ihm sicher keinen Schaden verursachen und trotzdem ist es passiert.

Auch gute Väter verfehlen in bester Absicht das Ziel. Und das nicht nur einmal, sondern wiederholt.


Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Wer Vater ist, hat gute Chancen, ein Sünder zu sein. Es passiert zu leicht und zu schnell, dass man sich an seinen Kindern verfehlt und eben nicht richtig verhält. Und die leiden dann womöglich ein ganzes Leben lang, wie Bushido es in seinem Lied "Reich mir nicht Deine Hand" zum Ausdruck bringt:

Reich mir nicht deine Hand
Ich will sie nie wieder nehmen
Ich will dich nie wieder sehen
Bitte komm jetzt nicht an
Und sag ich muss dich verstehen
Es ist Schluss mit den Tränen
Reich mir nicht deine Hand
Du hast mich so sehr enttäuscht
Du hast diesen Sohn doch gezeugt
Bitte komm jetzt nicht an
Du brauchst mir nichts zu erzählen
Mama sagte du wolltest gehen


Abwesende Väter

Ruft ihn an, solange er nahe ist!

Es gibt sie in verschiedenen Erscheinungsformen und aus verschiedenen Gründen, z.B.

Egal warum und wie, eine Gemeinsamkeit besteht: Diesen Vätern kann man sich nicht nahen.

Weil sie entweder nicht da sind oder zumindest emotional nicht erreichbar sind. Und wer Nähe nicht kennenlernen konnte, tut sich mit Nähe schwer. Er bleibt oft unnahbar und tut siche auch mit Gott schwer. Und dennoch ist Gott ein Gott, der nahe ist und nicht ein Gott, der weit weg ist.

David wusste um diesen Gott, denn er singt: "Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf." (Ps. 27, 10) Und in Ps. 34, 19: "Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, um denen zu helfen, die ein zerschlagenes Gemüt haben."

Gleicherweise sagt der Prophet Jesaja: "So spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen." (Jes. 57, 15)


Fazit

Wie schlimm auch immer die Enttäuschung und der Schaden sein mag, der durch abwesende und unvollkommene Elternteile entstanden sein mag, es gibt einen Gott der nahe ist und denen hilft, die ein zerschlagenes Gemüt haben, die einen zerschlagenen und gedemütigten Geist haben. Dieser Gott belebt den Geist der Gedemütigten und heilt das Herz der Zerschlagenen. Also: "Ruft ihn an, solange er nahe ist!" (Jes. 55, 6)