Was gibt es für Aussichten, die mir ein bisschen Lust auf die Zukunft machen könnten?
Der Mensch in der gegenwärtigen Welt:
Nach einer der gängigen Auffassungen ist der Mensch nach einem anfänglichen "Big Bang" des Universums und einem sehr, sehr langen "Survival of the Fittest" das derzeit intelligenteste Wesen der Erde. Noch! Denn er ist bedroht von der informations-technologischen Evolution. Die Produktionsrate der Denkmaschinen übersteigt die Geburtenrate der Denkmenschen. Es werden mehr Computer in die Welt gesetzt als Kinder. Es gibt mittlerweile mehr Internetauftritte (über 8 Mrd.) als Menschen (nur 6.5 Mrd.) Die am meisten verwendete Sprache auf der Erde ist nicht mehr Englisch, sondern HTML.
Gesucht: Der "Homo Informaticus"
"Spätestens mit dem Siegeszug und der verstärkten Nutzung von Digitalrechnern, Programmen und Netzwerktechnologien in Betrieben, Büros und Haushalten macht das Schlagwort von der "postmodernen Wissens- oder Informationsgesellschaft" die Runde. Ihre Entstehung verdankt sie vor allem einer historisch bislang einmaligen Verschlankung, Automatisierung und Optimierung von Produktionsvorgängen und Wertschöpfungsketten, von Vertriebskanälen und Verwaltungsabläufen ... Hinzu kommt ... die Jagd nach Talenten, Fähigkeiten und Kompetenzen ("Humankapital"), die in der Lage sind, solches Wissen zu erzeugen, zu verteilen und zu kommunizieren. Solche Menschen werde zu den wichtigsten Trägern des Fortschritts im 21. Jahrhundert werden ..."
Rudolf Maresch in seinem Artikel "Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert" erschienen im Wirtschaftsmagazin "Perspektive Blau"
Und was ist mit den andern?
"Soziologen sprechen schon seit längerem von der "post-industriellen Wissensgesellschaft", der "globalen Netzwerkgesellschaft" oder der "vernetzten Weltgesellschaft", wenn sie all diese Phänomene und Transformationen in eine griffige Formel bringen wollen ... Der Mensch als Autor, Urheber und Held, der Geschichte macht und die Welt mit seinen Taten nach seinem Ebenbilde formt, hat abgedankt ... Für ihr Funktionieren und die soziale Evolution ist der Mensch als Macher unerheblich geworden ... Höchstens als soziale Adresse, als Kunde, Wähler oder User, als Risikofaktor, zu Motivierender, zu Normalisierender oder zu Kontrollierender, oder auch als Ausschlachtungsobjekt und Träger wertvoller Organe kommt er noch in Betracht." (Rudolf Maresch ebd.)
Heute gibt es hauptsächlich vier Typen von Menschen:
"Das sind die einen, die sich als Freelancer, Lonesome Eagle und Ich-AG verstehen, die ihr Leben als Marke, Unternehmen oder sich selbst als Manager ihrer selbst begreifen.
Dann sind da die anderen, die sich wie vereinzelte sozialen Initiativen selbst ausbeuten, selbst verschwenden oder selbst aufopfern.
Dann gibt es noch die Loser, die der Heimat verbunden, verwurzelt und unbeweglich zu Hause auf staatliche Garantien und Fürsorgeleistungen warten.
Und als letztes sind dann noch die intelligenten Verweigerer, die nach außen Interesse, Motivation und Aktivität heucheln, sich aber längst in die innere Emigration verabschiedet haben." (Rudolf Maresch ebd.)
Ein Selbst wie "Bartleby" von Herman Melville ...
... der in täglicher Routine und im Alltagstrott erstarrt, weil er keine Aussicht auf Veränderung spürt.
... der die Ausführung bestimmter Tätigkeiten ablehnt mit dem Satz: "I would prefer not to" (Ich möchte lieber nicht).
... der zwar als eine listige Gegenfigur zu den "Arbeitstieren" der New Economy auftritt aber dennoch als "Homo consumens" in die Zwänge des Kaufen und Verkaufens eingebunden ist.
"Ach Bartleby! Ach Menschheit!", so der letzte Satz in Hermann Melville's Erzählung.
Der Mensch in der Gegenwelt des Evangeliums - Oder: Warum wir immer Grund zur Hoffnung haben
Erstens: Der Ursprung von Deinem Selbst
In der Gegenwelt des Evangeliums ist der Mensch das Produkt von Gottes Majestät, Macht und Generosität. Dass ich existiere, ist eine Realität, die nicht nur außerhalb von mir seinen Ursprung hat, sondern in einem geheimnisvollen Gegenüber, dem ich mit Dankbarkeit und Verehrung antworten kann. Der Ursprung meines Selbst ist eine Gabe. In 1. Kor. 4, 7 fragt Paulus: "Was hast du, das du nicht empfangen hast?"
Da ist z.B. das Wunder der Geburt. Es gab eine Zeit, da gab es mich nicht. Und jetzt gibt es mich - durch das Wunder der Geburt. Ich war ein frisch geborenes Baby. Ich hatte die Atmung nicht erfunden, ich bediente mich einfach dieser Fähigkeit. Meine Atmung kam und kommt immer noch von außerhalb, als Gabe, auch wenn sie in mir stattfindet.
Der Prophet Daniel sagt, sie kommt von "Gott, in dessen Hand dein Odem ist" (Dan. 5, 23)
Babies müssen wieder mehr gefeiert werden. Die Bibel erzählt viele Geschichten über Babies, deren Zeugung, Geburt und besonders darüber, wie sie zu ihrem Namen gekommen sind.
Die Tatsache der menschlichen Zerbrechlichkeit
Wie sehr brauchen wir unsere Atmung! Und wie zerbrechlich ist sie zugleich. Als Mensch mit einem allergischen Asthma weiß ich nur zu gut, wie sehr ich Luft brauche und wie schnell sie mir wegbleiben kann. Hier offenbart sich Gottes gütige Großzügigkeit in der sehr großen menschlichen Zerbrechlichkeit. Paulu schreibt in 2. Kor. 4, 7: "Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei
und nicht von uns."
Ps. 103, 14-17: "Er weiß ja, was für Gebilde wir sind; er vergisst es nicht: Wir bestehen aus Staub. Das Leben des Menschen ist wie das Gras, es blüht wie eine Blume im Feld. Die Glut aus der Wüste fegt über sie hin. Schon ist sie weg; hinterlässt keine Spur. Doch die Güte Jahwes hat ewig Bestand, sie gilt auf immer für den, der ihn ehrt."
Zweitens: Die Vollendung von Deinem Selbst
Dein Selbst ist noch unterwegs. Es ist noch nicht am Ziel angelangt.
Paulus kennt das Dilemma der Menschen: Was wir beabsichtigen zu sein und zu tun, ist oft sehr verschieden von dem, was wir dann letztlich wirklich sind und tun, weil unser Wille schwach ist und unsere Absichten nicht anhaltend sind. Wir sind an den meisten Tagen nicht der Mensch, der wir gerne wären. (siehe Röm. 7, 15 ff)
Das Wunder der Neuschöpfung:
David kennt die Not, die ein einziger schwacher Moment verursachen kann (als er der schönen Frau eines anderen Mannes beim Baden zusah) und die daraus hervor gehende falsche Wahl (mit ihr ein sexuelles Verhältnis zu beginnen) und die verherenden Folgeentscheidungen, die er getroffen hat (nämlich dafür zu sorgen, dass der Mann der anderen Frau nicht mehr aus dem Krieg zurück kommt).
All das hatte David schlimm deformiert: Sein Herz war unrein geworden, sein Geist fehlgeleitet, seine Emotionen verwirrt. Er hatte sein ganzes Selbst an die Sünde ausgeliefert. Jetzt hat er das Gefühl, das er seiner Seele verlustig gegangen ist und dass ihm nur noch ein Schöpfungsakt Gottes helfen kann. Darum betet er: "Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Mach mich wieder froh mit deinem Heil mit einem willigen Geist rüste mich aus!" (Ps. 51, 12ff)
Er betet und fleht: Gott, tu mich nicht weg von Dir. Ich hab' mein Herz kaputt gemacht, erschaffe mir ein neues, ein reines Herz. Mein Geist ist kaputt, ich kann Dich nicht mehr spüren. Ich brauch' einen neuen Geist. Meine Freude ist weg, meine Willigkeit ist weg. O Gott, bitte füge mich wieder zusammen. Ich hab' das Gefühl, dass ich in Einzelteile zerbrochen bin. Aber ich will wieder in Beziehung mit dir leben.
Kreaturen für Gemeinschaft:
David weiß: Ein Leben fern der Gegenwart Gottes ist kein wirkliches Leben. Der erhoffte, volle und ganze Mensch, der wir sein wollen, können wir nur in der Gegenwart Gottes sein. Da gehören wir hin, da sind wir zu Hause und nur da sind wir wirklich geborgen - im Frieden Gottes und in seiner Gegenwart.
Der wahre Charakter menschlichen Lebens besteht nicht in Gut und Böse, Richtig oder Falsch, sondern in Gemeinschaft. Wir sind Kreaturen, die für Gemeinschaft geschaffen sind, für die Gemeinschaft mit Gott und miteinander.
Psalm 23: Ein ganz anderer David
Gott ist mein Hirte, mehr brauch' ich nicht.
Bei ihm fühle ich mich wie bei einem Picknick an frischen Auen.
An stillen Orten finde ich Erfrischung beim Trinken in seinem Wort.
Ich komme wieder zu Kräften und kann den Weg weitergehen, den er mich sendet.
Sogar wenn der Weg durch das Tal des Todes führen sollte, muss ich mich nicht fürchten, denn du bist an meiner Seite.
Es gibt mir Sicherheit, dass du einen Hirtenstab mit Dir führst.
Du bereitest mir ein Mahl und meine Feinde müssen dabei zusehen.
Du erfrischt meine müden Gedanken bis ich mich fühle wie ein Becher, der von gutem Getränk überquillt.
Deine Schönheit und Liebe gehen mir nicht mehr aus dem Kopf, Tag für Tag erlebe ich deine Gutheiten und Barmherzigkeiten.
Ich muss immer wieder zurück kommen in das Haus des Herrn.
Und das werde ich auch den Rest meines Lebens so tun.
Drittens: Deine Vorstellung von Deinem Selbst
Stell' Du Dir doch mal ein neues Selbst von Dir vor ...
- ... das nicht länger von Ängsten gefangen gehalten wird.
- ... das nicht mehr in endlosen Anstrengungen des Sich-Selbst-in-Sicherheit-bringens immer weiter am Hamsterrad dreht.
- ... das eingewurzelt ist in die "rätselhaften Gleichungen der Liebe".
- ... das dort zuhause ist, wo es her stammt, nämlich aus der Liebesgemeinschaft der dreieinigen Gottheit.
- ... das sich beständig Nahrung holt aus den Schriften der Evangeliumspredigt, wo uns durch Jesus Christus ein Gott in all seiner Generosität präsentiert wird.
- ... das freudig JA sagt zu seinem Leben, auch wenn es noch so beschwerlich sein mag, weil es weiß, dass der Hirte da ist.
- ... das bei einer Grunddankbarkeit und einem Basisvertrauen angelangt ist, weil es verstanden hat, dass es in einem Haus voll Gutheiten und Barmherzigkeiten leben darf.
- ... das sich erinnert an die vielen Gutheiten und Barmherzigkeiten und dem Versprechen glaubt, dass ihm noch viel mehr dieser Gutheiten und Barmherzigkeiten Gottes zugesagt sind.
Lust auf die Zukunft?
Erstens: Vertrau' der Güte und Generosität Gottes. Dein Atem ist gut aufgehoben in seiner Hand. Er weiß, was für ein Gebilde Du bist, er vergisst es nicht.
Zweitens: Gott ist noch nicht fertig mit Dir. Du bist noch auf dem Weg. Auch wenn Du Dir durch Deine Sünden noch so deformiert und entstellt vorkommst, Gott kann Dir ein neues Herz erschaffen und Dich für die Gemeinschaft mit ihm und anderen tauglich machen.
Drittens: Glaub' dem Versprechen Gottes, das Dir noch viele seiner Gutheiten zusagt.